Weil die bisherigen Zinssenkungen unterm Strich nichts gebracht haben, verstärkt Herr Mario Draghi, seines Zeichens Chef der Europäischen Nationalbank, die Zinssenkungen. Dabei sagte schon Einstein, dass es Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Aber Herr Draghi scheint nichts von dem Einstein-Zitat zu halten. Mittlerweile liegt der EZB Leitzins bei 0% und Banken, die ihre Liquidität bei der EZB parken wollen, müssen einen Strafzins von 0,4% zahlen. Was sollten Unternehmer angesichts dieser Zinsentwicklung tun? 

Nun verfolgt Herr Draghi zwar die edle Absicht, die Banken zur leichteren Kreditvergabe zu motivieren. Das hat in der Vergangenheit nicht funktioniert und wird in der Zukunft ebenso wenig funktionieren. Kreditvergabe hat in erster Linie mit Vertrauen in Unternehmen und Staaten zu tun. Und das Vertrauen in einige Südstaaten ist nach wie vor nicht gegeben. Wird doch durch die weitere Verschuldung durch die 0% Zinspolitik geradezu gefördert. Somit verkommt die 0% Politik zu einem Schmerzmittel anstatt die Ursachen zu bekämpfen. Dringende aber schmerzliche Strukturreformen werden verschoben statt angepackt.

Eines der Probleme wird die Banken selber treffen. Wo früher Liquidität gegen gute Zinsen zwischengelagert werden konnte, müssen heute Strafzinsen gezahlt werden. Das heisst die Banken müssen Ihr Geld wo anders verdienen. Dabei werden steigende Kontoführungsgebühren wohl nicht ausreichen. Die Banken werden höhere Zinsen nehmen müssen und damit werden die Absichten von Draghi endgültig ad absurdum führen. Ganz abgesehen davon laufen die aberwitzigen Strafzinsen sowie die Ankündigungen zum Aufkauf von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen (ABS) allen Absichten der Bankenstabilisierung zuwider. „Umverteilungspolitik zur Rettung von Zombiebanken“, so der deutsche Ifo Präsident Hans-Werner Sinn zu diesem Thema.

Für Unternehmer heisst das ganz klar Finanzierungen werden nicht billiger sondern teurer und schwieriger. Selbst wenn Banken sich günstiger refinanzieren können, werden Banken nicht leichter Kredite vergeben angesichts der weltweit eingetrübten Konjunkturaussichten. Für Unternehmer ist mehr denn je der gezielte Aufbau von Eigenkapital notwendig. Auch für kleine Unternehmen ist nunmehr professionelles Reporting das Gebot der Stunde. Kommt es nämlich wegen eines unerwarteten Ereignisse zum Crash der Finanzmärkte, wie wir ihn zuletzt in den USA gesehen haben, ist nur noch der Unternehmer handlungsfähig, der über ausreichend Eigenkapital und ausreichend flüssige Mittel verfügt. Im Gegenteil, wer gut mit Eigenkapital und Cash gerüstet ist, kann in der Krise durchaus sein lohnendes Geschäft machen.

Für Ihre Mitarbeiter ist die 0% Zinspolitik ebenfalls folgenreich. Ist diese Zinspolitik doch ein „Frontalangriff auf alle Sparer“, so Wolfgang Gerke, Präsident des Bayrischen Finanzzentrums. Und nicht nur das, die 0% Leitzins erweist sich als dramatische Verschlechterung beim Aufbau einer Altersvorsorge. Und davon sind nicht nur die klassischen kapitalbildenden Lebensversicherungen betroffen. Die Versicherungsgesellschaften haben enorme Probleme, Produkte zur Altersvorsorge anzubieten, da jede vernünftige Verzinsung Makulatur ist. Dabei werden Versicherungsanbieter dazu verleitet, risikoreiche Anlageformen in ihren Versicherungsprodukten zu integrieren, was der Blasenbildung an den Finanzmärkten Vorschub leisten wird.

Die Renten sinken ja schon allein durch die demographische Veränderung der Bevölkerung. Umso mehr muss die betriebliche Altersvorsorge in den Fokus rücken. Auch wenn die Beiträge zu einen Altersvorsorgeprogramm jetzt aufgrund des 0% Leitzinses noch einmal steigen werden, die betriebliche Altersvorsorge ist neben der gesetzlichen und der privaten Altersvorsorge ein wichtiger Baustein zur Verhinderung von Altersarmut. Und gerade jüngere, besser qualifizierte Arbeitnehmer legen Wert auf ein gutes betriebliches Altersvorsorgeangebot. Lassen Sie sich als Unternehmer unbedingt beraten, birgt doch die betriebliche Altersvorsorge für den Arbeitgeber in Deutschland durchaus auch Risiken. Vorbildlich ist hier die Schweiz unterwegs, nicht nur dass der Schweizer Franken wohl tendenziell an Wert gewinnen wird, das Schweizer Drei Säulen System für die Altersvorsorge bestehend aus der gesetzlichen AHV, der betrieblichen BVG und der privaten Vorsorge ist Vorbild in Europa und meines Erachtens auch der wirksamste Schutz gegen Altersarmut.

Es wird in der Eurozone wohl mehr und mehr zu einer Flucht in die Sachwerte kommen. Spekulationsblasen bei den Immobilien und in den Aktienmärkten dürften nicht ausbleiben. Kluge Anleger werden sich antizyklisch verhalten. In Zeiten der überhöhten Preise werden sie ihren Cash bilden und zurückhalten um erst dann zu investieren, wenn die Spekulationsblase geplatzt ist. Die Wahl der richtigen Anlage für den Vermögensaufbau wird also noch für einige Zeit eine Herausforderung bleiben.

Was sind ihre Pläne angesichts der 0% Leitzins der EZB? Diskutieren Sie mit uns im BLOG!

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